Zimmerstutzenschützengesellschaft "Tell" Schwandorf

Chronik von 1897 bis 1963

1897

Die von der Feuerschützengesellschaft abgespalteten "Freischützen" können auch untereinander nicht harmonieren. Durch interne Querelen, hervorgerufen durch Standesunterschiede, gründen am 8. Mai der Schmiedemeister Heinrich Lanzl, der Schreinermeister Hans Grabinger (Gründungsmitglied der Freischützen) zusammen mit einigen Schießsportbegeisterten die Zimmerstutzenschützengesellschaft "Tell" in der Gastwirtschaft des Kommunbrauers Merkl in der Spitalgasse. Der rührige Gastwirt Robert Merkl, Kassier der Tellschützen, legt bereits am 20. Mai bei der Stadt Schwandorf einen Plan zur Errichtung eines Schießstandes vor. Es gibt allerdings immer wieder sicherheitstechnische Probleme mit der Anlage. Aufgrund der spärlichen Aufzeichnungen ist nicht genau bekannt, wann "Tell" in das neue Vereinslokal, das Gasthaus Stingl (Bayerischer Hof), umzieht. Fest steht, dass Gastwirt Merkl sein Anwesen 1904 veräußert. Die Generalversammlung am 4. März 1906 findet im Gasthaus Stingl statt.

1907

Der Schützenmeister der Tellschützen Hr. Spandau beantragt am 28. Februar beim Bezirksamt Burglengenfeld die Genehmigung einer Schießstätte im Vereinslokal Gasthof Stingl (Bayerischer Hof).

1912

Die Zimmerstutzenschützengesellschaft "Tell" beteiligt sich am 12. Oberpfälzer Bundesschießen. Vom 15. - 18. August wird außerdem ein Festschießen mit Gartenkonzert veranstaltet: Erste Preise gehen an Bollwein, Stingl (3) und Hicker.

1914

Bei den Tellschützen herrscht reges sportliches und gesellschaftliches Leben. Am 30. Januar findet des Vortelschießen statt, am 8. März das Sauschießen, am 24. April das Endschießen und am 11. Juli die Mitgliederversammlung. Danach gehen bis zum Ende des I. Weltkrieges die Aktivitäten aller Vereine verständlicherweise zurück.

1919

Nach Kriegsende blüht das Schützenwesen in Schwandorf wieder auf, die Schusstage finden jetzt am Dienstag statt. Am 26. November haben die Tellschützen ihre Generalversammlung. Die Schützenmeister Fritz Geißler und Baptist Moser werden in ihren Ämtern bestätigt. Beim Weihnachtsschießen vom 26. - 28. Dezember erringen die Schützen Feldmeier, Moser (2), Furtwengler und Bollwein erste Preise.

1920

Preisschießen am 5./6. Und 12./13. Juni, erste Preise gehen an Andritzky, Wanninger, Fröhler, Moser (2) und Gau. Bei der Generalversammlung am 24. November wird Geißler abgelöst und Brunner 1. Schützenmeister. Eine Woche später findet wegen verschiedener Vorkommnisse am 1. Dezember eine außerordentliche Generalversammlung statt, bei der Brunner anscheinend wieder abgelöst wurde.

1921

Die außerordentliche Delegiertenversammlung des Oberpfälzischen Zimmerstutzen-Schützenverbandes unter Vorsitz des 1. Bundesschützen-meisters Georg Furtwengler wird von "Tell" ausgerichtet. Beim Preisschießen am 25. - 27. Februar erringen die Schützen Engelhardt, Furtwengler und Pfitzner (2) erste Preise.

1922

Mitgliederversammlung am 18. März zur Vorbereitung des 25-jährigen Vereinsjubiläums. Das Endschießen am 22./23. April hat folgende Sieger: Wanninger, Eisenhart, Moser (2), Geißler und Pfitzner (2).
Am 14. Juni genehmigt die Stadt den Schießstand für das Jubiläumsschießen, der sich auf der Nordseite der Schießstätte der Feuerschützengesellschaft befindet. Bei dem Haupt- und 25-jähriges Jubiläumsschießen vom 15. - 18. Juni nehmen 303 Schützen aus 40 Orten teil. Von den 60 Schwandorfer Schützen werden 80 Preise errungen, darunter ein Siegespreis von Baptist Moser.

1923

End- und Sommerschießen am 7./8. Juli , die ersten Preise gehen an die Herren Geißler, Brunner, Wilpert und Bollwein. Bei der Generalversammlung am 20. Oktober werden die Schützenmeister Geißler und Moser in ihren Ämtern bestätigt.

1924

Teilnahme beim Gauschießen vom 7. - 9. Juni in Wackersdorf. Zahlreiche Preise werden gewonnen, darunter ein 1. Platz im Gruppenschießen und für Baptist Moser. Beim Anfangsschießen am 4./5. Oktober gehen die ersten Preise an Herbst, Andritzky, Wanninger, Diermeier, Bösl Johann und Wilpert. Konrad Beer löst als Schützenkönig Georg Furtwengler ab.

1926

Endschießen am 8./9. Mai im Vereinslokal Stingl; erste Preise holen Prögl, Stangl, Beer, Geißler (2), Greil (2), Diermeier und Schmidtbauer. Bei der Generalversammlung am 18. Oktober wird Michael Feldmeier 1. Schützenmeister.

1927

Beim diesjährigen Endschießen am 7./8. Mai feiert die Gesellschaft das 30-jährige Bestehen. Michael Feldmeier erringt zum dritten Male hintereinander die Schützenkönigswürde. Beim Bundesschießen in Sulzbach erreicht Furtwengler den 1. Preis auf Gauscheibe. Die Schützenmeisterämter bekleiden die Herren Feldmeier und Saerve.

1928

"Eifer und Fertigkeit" zeichnen auch dieses Vereinsjahr aus. Der erstmals ausgeschossene Wanderpreis geht an Ströbl. Beim Endschießen 1929 wird Hans Donhauser Schützenkönig, erste Preise erringen Saerve, Seebauer, Schießl, Bollwein, Donhauser (2) und Gleixner.

1930

Das 35-jährige Jubiläumsschießen vom 2. - 10. August zieht 227 Schützen an, darunter Meisterschützen anderer Gaue. Schießanlage und mustergültige Organisation werden von allen gelobt. Wenn auch die meisten Siegerpreise nach auswärts gehen, so bringt der Wettbewerb auf Hauptscheibe dennoch einen großartigen Erfolg für den Schwandorfer J. Meisl: 1. und 3. Platz. Weitere gute Ergebnisse haben K. Pfitzner 2. Platz, Alois Melzner 3. und 6. Platz und Bauer 3. und 4. Platz.

1933

Dieses Jahr verändert den Verein in seinen Grundfesten. Der so lange verwendete Zimmerstutzen wird zurückgedrängt, das Kleinkalibergewehr ist im Kommen. Aufgrund der Nationalregierung, die das KK-Schießen ganz besonders fördert, wird im Obermeier-Saal ein KK-Schießstand mit 21 m Distanz gebaut. Es erfolgt der Zusammenschluss mit dem Reichsbahnsportverein Schwandorf.

1936

Ein Bestandteil des Vereinslebens ist das alljährliche Oktoberfestschießen. In München ereilt durch Herzschlag Schützenbruder Alois Melzner der Tod. Freiwillig gibt Josef Kellner das Schützenmeisteramt ab, da er das Vertrauen des Reichssportführers lt. "Führersprinzip" als Unterkreisschützenführer nicht mehr hat. 1939 wird Georg Donhauser in München als Schießleiter ausgebildet. Während des 2. Weltkrieges 1939 - 1945 ist ein Stillstand des Schießsports zu verzeichnen.

1945

Am 17. April wird durch den Bombenangriff auf Schwandorf das Vereinslokal Bayerischer Hof mit Schießstätte und dem ganzen Hab und Gut, z. B. Ehrenscheiben, Chronik usw. vernichtet - nur die Königskette nicht.

1949

Die Gesellschaft trägt im Wiedergründungsjahr den Namen Schützengesellschaft "Tell", da durch die Besatzungsmacht und die deutschen Behörden die neuerliche Gründung von Vereinen zugelassen wird. Am 10. Oktober trifft man sich im wiedererbauten Gasthof Bayerischen Hof und wählt eine vorläufige Vorstandschaft. Bereits am 10. November wird die Königskette von Schützenbruder Konrad Beer an den 1. Schützenmeister Josef Kellner übergeben. Konrad Beer und Karl Kurz hatten die Königskette 1945 in drei Teile zerlegt und aufbewahrt. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Königskette über die Kriegswirren hinaus gerettet werden konnte.

1950

Schützenheim Bayerischer Hof seit 1907 "Lebe wohl":
Ein Neubau der Schießanlage kann aus finanziellen Gründen von der Familie Obermeier und der Brauerei Schmidt nicht durchgeführt werden; die Wanderschaft beginnt. Bereits Ende 1949 wechselte die Gesellschaft in das Kath. Vereinshaus. Geschossen wird in der Kegelbahn, unter der Bühne, später vom Nebenzimmer in den Saal. Auswirkung zeigt das von der Militärregierung ausgesprochene Verbot, es wird für ein halbes Jahr mit der einzigen Armbrust geschossen. Ein Eigenbau Eugen Moser´s, finanziert durch Dr. Ruhland. Die Schussdistanz beträgt 6 - 7 m. Mitte des Jahres beginnt die Ära des Luftgewehrs. Durch das Abknicken des Laufes wird eine Feder gespannt und ist somit betriebsbereit. Es hat Kimme und Korn und wird der Präzision entsprechend auf eine Entfernung von 8 m geschossen. "Heut´ wird draht, bis der Gogl kraht." Nach 12 Jahren Pause findet wieder ein Schützenball statt und ab dann alljährlich. Einlagen beinhaltete jeder Schützenball, Ilona Kurz gibt 1954 eine Tanzeinlage, mit Kunst und Grazie zeigt sie ihr Können. Im September 1951 wechseln die Tellschützen für vier Monate in das Hotel Kloster. 1952 beherbergt das Gasthaus "Zur Post" die Gesellschaft. Der Kinosaal ist Vereinszimmer und Schießstätte. Allerdings nicht lange, neues Vereinslokal wird das Cafe Rohrmoser, der Schießstand wird am 28. Dezember zum ersten Mal benutzt. Im Oktober 1953 wechselt die Gesellschaft erneut das Vereinslokal. Die Brauereigaststätte Mehrl wird die neue Heimstätte und bleibt sie die nächsten Jahre. Der Saal ist Schützenzimmer und Schießstand.

1951

In Leonberg wird der Bundespokal im Mannschaftsschießen erkämpft, der im folgenden Jahr in Amberg sogar erfolgreich verteidigt werden konnte.

1952

Das 55-jährige Jubiläum des Vereins wird mit der Standartenweihe am 7. Juni vormittags in der St. Jakobskirche gefeiert. Mäzene der Standarte sind Schützenbruder und Ehrenmitglied Ankermüller sen., Hans Rebler, Josef Grabinger und Frl. Maria Riedl vom Marienheim. Protektor des Jubiläums ist OB und Schützenbruder Lorenz Sichler. Am Jubiläumsschießen beteiligen sich 260 Schützen.
"Tell" wird in diesem Jahr als erfolgreichster Verein des OSB bezeichnet. Der Verein wird am 27. Juli Patenverein bei Tell Dachelhofen, am 7. März 1955 bei Wildschütz Irrenlohe und bei der Fahnenweihe der SG "Glück Auf Wackersdorf" 1957 sind die Tellschützen wiederum Patenverein.

1955

In der Heimatfestwoche vom 14. - 16. August beteiligt sich die Gesellschaft mit einem Tell-Schützenwagen an dem Festzug anlässlich der 650-Jahrfeier der Stadt Schwandorf.

1956

Die Gesellschaft übernimmt das 18. Oberpfälzer Bundesschießen. Austragungsort ist die Naabhalle in Schwandorf. Unter 1. Schützenmeister Georg Vogl wird das Bundesschießen ein großer Erfolg.

1958

Der 2. Schützenmeister Willi Sieber entwirft ein neues Ehrenzeichen für langjährige Mitgliedschaft. Anlässlich einer am 6. Mai stattfindenden Ausschusssitzung wird das Schreiben der Brauerei Hubmann zur Diskussion gestellt. Sie beabsichtigt, der Gesellschaft ein Schützenheim zu erbauen. Eine längere erregte Aussprache ist die Folge. Das Schreiben wird zurückgestellt. Man hat nie mehr etwas von dieser Angelegenheit gehört oder gelesen.

1959

Beim Faschingsball im BBI-Kasino in Wackersdorf wird am 17. Januar die neue Tischstandarte vorgestellt. Schützenmeister Georg Vogl wünscht, dass die Schützenjacken auch an den Schießabenden getragen werden. Im Bauausschuss für den Schützenheimneubau sind jeweils die 1. Schützenmeister der Gesellschaften Feuer-, Tell- u. Freischützen stimmberechtigt. Vorzutragende Wünsche und Meinungen von Mitgliedern sind damit gewährleistet.
Am 13. Juni feiert man im Café Fallier das 60-jährige Gründungsfest, verbunden mit der Königsproklamation und Ehrung verdienter Mitglieder. Ehrenmitglied Heinrich Engelhardt hält die Festansprache. Zusammenfassung der Rede: Er ist besorgt! Der alte Idealismus solle wieder Fuß fassen. Bei den Schützenfesten soll dem "Abgrasen von Festschießen" durch die sog. Meisterschützen entgegen gewirkt werden. Es liegt an den Vereinen, die Programme dementsprechend zu gestalten.
Michael Feldmeier wird zum Ehrenschützenmeister und die Schützenbrüder Bauer und Wilpert zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Ehrenabend hat die Vereinskasse empfindlich geschwächt, da keinerlei Eintrittsgelder erhoben wurden. Schützenkönig wurde Georg Neidl.

1960

Es wird ein neuer Zimmerstutzen gekauft. Das Jahr ist ausgefüllt mit Arbeiten zur Erstellung des neuen Schützenheimes. Eine gemeinsame Kegelpartie mit der SG "Glück Auf Wackersdorf" im BBI-Kasino an der Steinberger Str. belebt das Vereinsleben. Hans Rebler wird Schützenkönig. Der Vorschlag vom Schießleiter Stockerl, bei einer Meisterserie von 50 Ringen eine Prämie in Höhe von 10,-- DM zu geben, wird abgelehnt.
Obwohl die Gaststätte Mehrl Vereinslokal ist, werden aber auch in anderen Lokalen Sitzungen und Veranstaltungen abgehalten, z. B. Hubmannsbräu-Stübl, Bayerischer Hof, Gaststätte Zur Post, Hotel Kloster und Café Fallier, da die Gastwirte selbst Mitglieder der Gesellschaft sind.

1961

Vom 26. August - 10. September ist die Gesellschaft austragender Verein des 20. Bundesschießens des OSB. Austragungsort ist das neuerbaute Schützenheim. Bei einer Teilnahme von über 500 Schützen kommen 670 Sach- und Geldpreise zur Verteilung. Protektor des Schießens ist OB und Schützenkommissar Dr. Josef Pichl, Ehrenprotektor ist der Präsident des OSB Dr. jur. utr. Karl Leon Graf Du Moulin Eckart. Im Herbst wird am 13. Oktober Willi Sieber zum 1. Schützenmeister gewählt.

1963

Die Tell-Jugend übernimmt auf dem Sportsektor im Gau die Führung. Genannt werden: Hans Dieter Wider, Johann Held, er wird auch Stadtjugendmeister und Lothar Faderl. Jugendleiter ist Michael Stockerl, dessen Jugendarbeit anerkennenswert ist. Der seit Jahrzehnten geplante Zusammenschluss wird am 22. Mai in einer außerordentlichen Generalversammlung bestätigt. Es folgt die Vereinigung der kgl. priv. Feuerschützengesellschaft, die bereits mit den Klosterschützen vereint sind, und der Schützengesellschaft "Tell". Der neue Name der Gesellschaft lautet: Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft "Tell" Schwandorf. Die Aktivitäten der Tellschützen und das Vermögen sowie die Tradition der Feuerschützen ergeben eine dauerhafte "Schützenverbindung". Die Gesellschaft erhält ein neues Vereinsabzeichen und die Jugend einen Vereinswimpel.

Am 7. März 1963 erfolgt die Vereinigung der
Vereinigte Königl. privilegierte Feuerschützen- und Zimmerstutzenschützengesellschaft "Kloster" e. V.
mit der Schützengesellschaft "Tell".